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»» KurzgeschichtenNun ist es endlich soweit! Ich habe einige meiner Kurzgeschichten tatsächlich fertiggekriegt. Als Jugendliche habe ich öfter Kurzgeschichten geschrieben, dann lange Zeit nicht mehr. Daher bin ich auch ein bisschen unsicher. Diesen Gartengeschichten sollen noch weitere folgen. An Ideen mangelt es nicht, nur an Zeit. Vielleicht schreibt ihr mal, was ihr davon haltet. Eure Chris ;-) Gartengeschichten
Mutter hängt im Apfelbaum oder Der letzte Apfel
Ich war ca. 8 Jahre alt und es war Spät- Herbst. Wie fast an jedem Nachmittag hielten meine Mutter und ich uns im Garten auf. Auf dem Rasen befand sich ein großer Apfelbaum und hoch oben hing der letzte Apfel dieses Herbstes, rot- golden. Ich sehe ihn noch heute vor mir. Oh wie gerne, oh wie gerne hätte ich ... Oh wie gerne wäre ich ... Doch Mutter meinte: ,,Nein, nein, das ist viel zu gefährlich! Die Leiter führt nicht so weit hinauf. Warte, bis er herunterfällt.'' Murrend verzog ich mich in meine Spielecke hinter der Laube. Versunken in meiner Beschäftigung, aus Sand ein burgenähnliches Gebilde zu formen, hörte ich plötzlich einen markerschütternden Schrei. Erschrocken fuhr ich herum. Und was sah ich? Mutter hing im Apfelbaum. Die rote Gartenschürze leuchtete wie die rote Frucht, die über ihr hing, und meine Mutter selbst sah aus wie ein überreifer Apfel. (Diesen Vergleich hat sie mir ihr Leben lang übel genommen). Was war geschehen? Meiner Mutter selbst hatte natürlich der Zahn nach dem vermutlich süßesten und saftigsten aller Äpfel getropft, und auch sie wollte nicht länger warten. Und die Leiter war tatsächlich zu kurz. Doch während ihrer Kletterpartie von der obersten Sprosse der Leiter zum nächsten Ast, fiel die Leiter um. Vor Schreck hatte sie den Ast, den sie umklammert hatte, losgelassen und plumpste zurück Glücklicherweise wurde sie von einer Astgabel aufgefangen. Da hing sie nun und ich stand da und lachte und lachte (der Anblick war einfach zu komisch für mich), während sie immer wieder rief: ,,Stell doch endlich die Leiter wieder an den Baum! Die Leiter! Du sollst die Leiter an den Baum stellen!'' Ich weiß nicht mehr, wie viel Zeit verging, bis ich dies endlich tat. Und es war ja schließlich auch gar nicht so einfach für das schmächtige Kind, welches ich einmal war. Langsam stieg Mutter herab und würdigte mich keines Blickes. Doch dies machte mir nichts aus. Ich hatte nur Augen für den Apfel in ihrer Hand, und ich folgte dem Apfel, während Mutter gemächlich zur Regentonne schritt, um ihn unter dem Wasserhahn abzuwaschen. Ich folgte ihm weiter bis in die Gartenlaube, wo Mutter, mich weiter mit Nichtachtung strafend, ihn umständlich abtrocknete. Ich folgte ihm zum Küchenschrank, dem meine Mutter ein kurzes Messer und ein Tellerchen entnahm und ich folgte weiter dem Apfel, der in der Hand meiner Mutter zurück zum Rasen wanderte, auf dem ein Tisch und zwei Stühle standen. Mutter setzte sich auf den einen Stuhl, ich auf den anderen. Sie begann den Apfel in viele kleine Scheibchen zu zerteilen. Ich ließ ihn nicht aus den Augen. Auch nicht, als er Scheibchen für Scheibchen im Mund meiner Mutter verschwand. Ja, das war ihre Strafe für meinen Lachanfall. Allerdings konnte meine Mutter nicht verhindern, dass ich die story oft und gern bei Familientreffen zum besten gab und die Lacher dann weitaus zahlreicher waren. Das war meine Strafe für den mir vorenthaltenen Apfel.
Der Gartenwächter
Am Eingang unseres Gartens ragte seit ewigen Zeiten ein Baumstumpf aus der Erde, ca. 1 m hoch. Irgendwann hatte er einmal zu einem ganzen Baum gehört. Aber das musste lange her sein, sehr lange vor unserer Zeit, als der Garten noch nicht mir und meinem Freund gehörte. Das Besondere an ihm- er hatte ein Gesicht- etwas ernst, etwas witzig, zumindest kurios. Regungslos stand er da- tagein, tagaus- und schaute die Besucher an, welche den Garten betraten. Bei Nacht konnte man meinen, da steht ein kleiner Mensch mit zwergenhafter Gestalt. Ein Gnom, der unseren Garten bewacht. Immer hatte ich vor, sein Gesicht anzumalen. Es sollte so lebendiger wirken. Aber da auch ich an mir Schminke nicht mag, meinte ich, ohne Farben sähe er viel natürlicher aus. Oberhalb des Stammes befand sich eine hohle Öffnung. Dort hinein tat ich etwas Erde und ein paar Samen der anspruchslosen Kapuzinerkresse. So wollte ich dem Gesicht eine Perücke verpassen. Doch der Samen ging nicht auf, denn das Gießwasser rann am Stamm entlang. Schließlich entschloss ich mich, den Stamm nun doch anzumalen. Sein Gesicht hatte schon tiefe Furchen bekommen. Die Nasenspitze war abgebrochen. Er sah wirklich nicht mehr ansehnlich aus. Mein Freund warnte mich lachend: ,,Drück mit dem Pinsel nicht zu sehr auf, er fällte sonst um!'' Pah! Demonstrativ gab ich dem Gesicht einen kleinen Stups und ... da lag er, unser Gartenwächter. Betroffen stand ich da, mit dem Pinsel in der Hand. Doch was sah ich da?! An der Bruchstelle herrschte ein munteres Treiben. Welch ein Trost! Mein Baumstamm hatte vielen Tieren jahrelang, jahrzehntelang vielleicht, ein Zuhause gegeben. Schon wieder besser gelaunt schlenderte ich samt Pinsel und Farbeimer zur rostigen Regentonne und verpasste ihr ein lustiges, freches Gesicht.
Möhrengrün zum Mittag
Einmal war ein alter Bekannter ein paar Tage bei mir zu Besuch. Ich hatte ihn lange nicht gesehen und freute mich. Als erstes inspizierte er meinen Garten, der in diesem Frühjahr förmlich um Hilfe schrie. Er wies mich sogleich darauf hin, dass er vom Gärtnern keinerlei Ahnung hätte und mir bei der Gartenarbeit also keine Hilfe sein werde. Nun, das war nicht weiter schlimm. Schließlich kam ich bis dato immer ganz gut allein zurecht. Am Abend begann ich für uns zu kochen. Es sollte Forelle mit Petersilienkartoffeln geben. ,,Spring doch mal rasch in den Garten hinunter'', bat ich ihn, ,,hol uns etwas Petersilie zum Essen. Aber es ist nicht mehr viel übrig. Du wirst nur ein kleines Sträußchen zusammenklauben können. Na, ich hab schon wieder neue ausgesät.'' Nach ca. 10 Minuten war er wieder da. Stolz schwang in seiner Stimme, als er sprach: ,,Nur ein kleines Sträußchen zusammenklauben? Sieh nur, wie viel ich gefunden habe!'' Und er hielt mir ein riesiges Bündel vors Gesicht. Ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Forschend sah ich ihn an. War dies sein Ernst oder nahm er mich nur auf dem Arm? Oh, und wie es ihm ernst war. Dennoch oder gerade deshalb konnte ich nur mit Mühe ein Lachen unterdrücken und meinte zu ihm: ,,Weißt du, das Kraut der Möhren nimmt man eigentlich nur sehr selten zum Kochen. Aber du könntest nun auch den Wurzelteil herausbuddeln, dann gibt es nachher ,,Forelle Gärtnerin Art'' zu essen. »» Kommentar hinzufügen |